Keine Handbreit Wasser mehr überall unterm Kiel

Geschrieben von Jörg Haußer.


Die Donau ist nie ganz sie selbst, Schneeschmelze und Starkregen lassen sie übermäßig ansteigen und wenn's länger nicht regnet, geht's in die andere Richtung. Doch es drehen auch noch andere am Rädchen. Die Donau muss arbeiten, Strom machen. Die Stadtwerke SWU ziehen jetzt im Herbst 2017 unten den Stöpsel etwas raus für die Baustelle an der Gänstorbrücke und oben leiten sie fast das ganze Wasser an der Donau vorbei ins Kraftwerk Wiblingen.

Da oberhalb vom URCD nie ausgebaggert wird, verteilt sich relativ wenig Wasser auf relativ viel Fläche, die übliche Handbreit Wasser unter dem Kiel ist da nicht mehr an allen Stellen garantiert. Wer jetzt wie gewohnt Richtung Fischerheim hochrudern würde, würde es hören, wenn's zu spät ist: ein knirschendes Geräusch. Deshalb gilt zur Zeit das Ruderverbot flussaufwärts vom URCD. Über den Fortgang des Ruderverbots Richtung Fischerheim informiert tagesaktuell die sogenannte Äpp, die mit richtigem Namen "für die Anzeige auf Smartphones optimierte Webseite" heißt – das wichtigste kurz und knapp auf einen Blick. Und die Farbe rot bedeutet da meist nichts gutes.

Wenn bei der Baustelle an der Gänstorbrücke der Trog für den Radweg fertig ist, wird der Wasserspiegel wieder angehoben. Die Stadt Neu-Ulm legt sich nicht genau fest und gibt dafür das Jahresende 2017 als ungefähren Termin an.

Wir Ruderer kennen im Gegensatz zu den meisten anderen Ulmern die Strecke vom URCD zum Fischerheim fast nur vom Wasser aus. Wenn man also mal nicht dorthin rudern kann, könnte man ja mal die Strecke vom Land aus genauer anschauen. Ein Ausflug mit dem Fahrrad rund ums 1907 gebaute Kraftwerk Wiblingen bietet für Ruderer ungewohnte Einblicke auf Donau, den Kraftwerkskanal und das Kraftwerk selbst. Besonders bei schönem Herbstwetter.

Seit durch das Kraftwerk Böfinger Halde der Wasserspiegel abgesenkt wurde, besteht besonders direkt unterhalb der Eisenbahnbrücke die Gefahr, auch dort dieses Knirschgeräusch im Boot zu hören. Nicht umsonst heißt die Gaststätte bei den Ulmer Kanufahrern dort "Am Kiesbänkle". Doch zur Zeit müsste sie wohl eher heißen "An der Kiesbank".

INFO
Kraftwerk Wiblingen
Kraftwerk Böfinger Halde