URCD-Nachbarn rücken näher

Geschrieben von Jörg Haußer.

Ohne das Projekt des "Orange Campus" der Ulmer Basketballer im vorderen Teil des Donaubades in Neu-Ulm hätte sich wohl niemand bei der Stadt Ulm um die alte DLRG-Wache und ihren schlechten baulichen Zustand gekümmert.  Erst bei der genaueren Untersuchung der Umgebung kam sicher der Gedanke auf, man könnte doch den "Orange Campus" viel großzügiger planen, wenn die DLRG umgesiedelt werden würde und das DLRG-Gebäude abgerissen werden könnte. Schon einmal wurde jemand von diesem Gelände dort umgesiedelt: der Ulmer Ruderclub "Donau".

Was zuvor geschah
Am 4. März 1945 geht das URCD-Bootshaus, das ganz aus Holz war, bei einem Spreng- und Brandbombenangriff auf Neu-Ulm in Flammen auf, und mit ihm auch die Bootshalle mit allen Booten. 1950 wird ein neues Bootshaus, diesmal aus Stein, an gleicher Stelle gebaut. Schon Ende der 1950er Jahre beginnt die Stadt Ulm mit einem Platztausch – URCD und Donaubad sollen ihre Grundstücke tauschen.

1960 entsteht die erste URCD-Bootshalle am heutigen Standort, und 1964 entsteht auch das URCD-Clubhaus. Und in das erst 14 Jahre zuvor errichtete URCD-Bootshaus aus Stein zieht die Ulmer DLRG ein. In Zeitungsberichten wird das Haus heute als "entstanden in grauer Vorzeit" geschildert, aber es ist, wie wir wissen, erst 68 Jahre alt.

Ein Neubau, der 10 Jahre alt ist, gilt heute schon als Altbau. Und umwelt- und feuerpolizeiliche Bestimmungen sind nach 20 Jahren praktisch komplett ausgetauscht. Was davor als vorbildlich gilt, ist heute, ähnlich wie beim Diesel, der Sündenfall. Wenn dazu noch nur ein kleines Budget da ist, mit dem das Gebäude erhalten werden kann, ist es kein Wunder, wenn ein Gebäude nach 68 Jahren im Prinzip "fertig" ist.

Wohin mit der DLRG?
Viele geeignete Grundstücke an der Donau gibt es nicht. Das musste schon der URCD vor dem Umbau des Clubhauses von 1998/99 feststellen, als zuvor nach möglichen anderen Standorten gesucht wurde. Die Stadt Ulm hat damals gleich abgewunken, und auch die Stadt Neu-Ulm wollte das ehemalige amerikanische Offizierskasino, heute "Barfüßer" in Neu-Ulm, nicht hergeben. Es blieb daher beim Ausbau am gewohnten Standort.

Wer von der DLRG auf die andere Seite der Adenauer-Brücke schaut, dem drängt sich das unbebaute große Wiesengrundstück als möglicher neuer Standort für die DLRG auf. Und so wird es sicher auch kommen. Die DLRG als bisher etwas entfernt liegender Nachbar wird dem URCD näher rücken, die Frage ist nur, wie nahe. Dabei spielt sicher auch der Neubau der Adenauerbrücke, der vermutlich in circa 10 Jahren ein Thema sein wird, eine Rolle, für den auch irgendwie Platz sein muss.

Von der Stadt Ulm kam schon die Frage, ob der URCD es sich vorstellen könnte, wenn die neue DLRG-Wache direkt im Anschluss an den Club gebaut werden würde – eine Variante dabei: auf dem vorne zur Donau gelegenen URCD-Tennisplatz könnte eine weitere Bootshalle entstehen – in den im Gebäude darüber liegenden Stockwerken würde die DLRG einziehen. Ein charmanter Gedanke: so käme der URCD sehr kostengünstig zu einer weiteren Bootshalle. Auch, wenn es nicht so kommt, bliebe der vordere Tennisplatz immer die Reserve für weitere Expansionsmöglichkeiten des URCD.

Wenn die DLRG auf die andere Seite der Adenauer-Brücke wechselt, wird sicher auch das Donauufer davor neu gestaltet mit neuen Anlegemöglichkeiten für DLRG-Motorboote, eventuell auch mit einer Slipanlage, wo die Motorboote problemlos aus dem Wasser genommen werden können. Da ergeben sich sicher auch gemeinsame Nutzungsmöglichkeiten für die URCD-Motorboote. Vielleicht bekämen diese dann sogar einen regulären Bootsparkplatz. Wenn die DLRG mit der Stadt Ulm im Hintergrund die Neugestaltung des Donauufers angeht, ist das zuständige Wasserwirtschaftsamt Krumbach sicher deutlich großzügiger, als wenn der URCD allein mit Änderungswünschen fürs Ufer kommt.

Am Ende wird der Glanz des neuen "Orange Campus" nicht von der heruntergekommen Hütte der "armen" Nachbarn getrübt werden, sondern er erhält dann auch noch die schönere Grundstückshälfte zur Donau hin, die Nachbarn bekommen ein neues, zeitgemäßes, funktionelles Gebäude. Und der URCD? Wir bekämen vielleicht eine neue Bootshalle, zumindest würden die DLRG-Motorboote nicht mehr am URCD-Floß vorbeiheizen, weil sie nämlich gleich oberhalb anlegen würden und deshalb vom Gaspedal gehen könnten.

Am 4. Oktober 2018 wird das Vorhaben im Hauptausschuss des Ulmer Gemeinderates vorgestellt werden. Wenn dort das Grundsatz-O.K. kommt, geht es in die detaillierte Planung. Je nach neuer Nähe zum URCD wird der Club da sicher teilweise mit eingebunden werden.

Vor dem Abriss des DLRG- und vormaligen URCD-Hauses wäre es sicher eine gute Gelegenheit für die URCD-Mitglieder (Jahrgang 1950 und älter), die das Haus noch aus seiner URCD-Zeit kennen, es nochmals zu besichtigen. Sie werden dann die frühere URCD-Nutzung der Räume sicher gleich wiedererkennen.

Zur Info: Neue Wache für Wasserretter - SÜDWEST PRESSE Ulm vom 17.8.2018
Stadt will Rettungswache für DLRG bauen - SÜDWEST PRESSE Ulm vom 6.10.2018