Rudern
Was? Doping und andere Hilfsmittel für Ruderer Drucken
Geschrieben von: Jörg Haußer   
 

 

Wo Leistungssport ist, gibt es auch Doping. In den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts galt Weizenbier als das bewährte Hausmittel bei Ulmer Ruderern, das höchstens bei DRV-Trainern auf dem Index stand. Heute braucht jeder Starter bei einer DRV-Regatta nicht nur einen offiziellen Aktivenpass, sondern muss als Grundvoraussetzung die Anti-Doping-Bestimmungen des DRV anerkennen.

Jeder Rennruderer, egal welchen Alters, wünscht sich das Glücksgefühl eines Regattasieges. Damit das auch im fortgeschrittenen Alter noch halbwegs möglich wird, gibt es die Mastersklassen A ab 27, B ab 36 usw. Der Ulmer resolut-Achter zum Beispiel ging 2009 je nach Zusammensetzung mal in Klasse C ab 43, mal in Klasse D ab 50 an den Start. Um in eine günstigere, also ältere Klasse zu rutschen, gibt es das beliebte Hilfsmittel des Altmachers d.h. ein relativ junger AH-Achter rudert mit einem "Johannes Heesters" an Bord mit seinem Alter als einzigem Zugmittel.

 

 

 

 

Bei der Siegesfeier im November 2009 wurden die mittelalten Ruderer deshalb vorausschauend von ihrem Vorsitzendem mit diversen Hilfsmitteln versorgt, um die eine oder andere Altersschwäche ausbügeln zu können. Jeder bekam ein Mietfahrzeug für das Wochenende zur Verfügung gestellt, das ohne fossile Energie auskommt, einen Rollator und als neuen Ehrentitel "Die Rollatoren – die schnell auf dem Rollsitz rollen". Dazu kamen noch Stützstrümpfe, Tena for Men, Haftcreme, ein Kirschkernkissen, Wärmepflaster, Batterien für Hörgeräte, ein Mittel gegen Haarausfall, eine Urobox usw.

Als Nachschlagewerke kamen noch die Rentner-Bravo "Apothekenumschau" und "Seniorenratgeber" hinzu, die die Zielgruppe als gute Kunden umwerben.

Wer in einem Vierer ohne rudert, der "Midlife Crisis" heißt, weiß solche Angebote sicher zu schätzen.

Doch in Wirklichkeit ist die Geheimwaffe beim Kampf um das Glücksgefühl des Regattasieges längst gefunden. Das früher durch brachiales Zirkeltraining bekannte Hallentraining in der Schaffnerturnhalle ist noch intensiver geworden.

Musik deckt aber die Qualen der Ruderer mit einem Mantel der Leichtigkeit zu. Dazu das berüchtigte Folterinstrument "Weihnachtsgeschichte". Nur wer das am eigenen Körper gespürt hat, weiß, was er wirklich ausgehalten hat. Noch einmal zum Thema "Hörgerät ausgeschaltet": Wenn sie nichts hören, das Wort "Pause" überhört keiner.

Also, wie wär's mit einem Besuch beim Hallentraining und als Folge einem Glücksgefühl bei der nächsten Regatta?

Dass der Begriff "alt" relativ ist, zeigen im URCD unsere Alten um Bago Steinle, die diesen Ehrentitel schon seit über 30 Jahren innehaben. Der resolut-Achter als nachfolgende Ruderergeneration ist heute deutlich älter als die Alten zu Beginn ihrer Alterskarriere.

"Von nun an ging's bergab." Nur wenige fortgeschrittenen Alters erinnern sich noch an dieses Lied der gebürtigen Ulmerin Hildegard Knef, in dem die Geburt diesen Zeitpunkt für den Beginn des Niedergangs markiert. Was dort noch ein bisschen verfrüht erscheint, im Mastersbereich ist jedenfalls der körperliche Verfall das vorherrschende Thema. Eine einfache Diagnose: Wie lautet das meistgebrauchte Wort in einem Boot? Im AH-Bereich steht fast immer "Was?" an der Spitze der Hitliste. Kein Wunder, jeder hat sein Hörgerät ausgeschaltet.

Die verstärkten Trainingsaktivitäten des resolut-Achters in den Jahren 2008/2009 blieben selbst dem URCD-Vorsitzenden Andreas Huber nicht verborgen. Anfangs vielleicht noch belächelt, markierte der Gewinn des Alpenachterpokals 2009 für den schnellsten Achter – egal in welcher Altersklasse - in der Gesamtwertung der Langstreckenregatten in Passau, am Wörthersee und am Starnberger See einen schönen Achtungserfolg.

 
 

Mehr als erwachsene Frauen und Männer weinen zu sehen, das gibt's beim Hallentraining jeden Donnerstag ab 18:30 Uhr in der Schaffnerturnhalle in der Ulmer Frauenstraße, gegenüber der Pauluskirche, neben dem Café 113. Zu sehen noch bis zum 25. März 2010. Ist es zu stark, bist du zu schwach. Aber, wenn's die in der "Krise" aushalten . . . .

 

                 
Zuletzt aktualisiert am Samstag, 20. Februar 2010 um 17:47 Uhr
 
Kaltes Wasser - Wie du deine Überlebenschance vergrößerst Drucken
Geschrieben von: www.rudern.de   

Für Ruderinnen und Ruderer ist das Thema Wasser gerade im Winter von besonderer Bedeutung. Unbekleidet kann der Mensch bei eine Außentemperatur von – 1 ° C seine Körpertemperatur in Ruhe bis zu einer Stunde aufrechterhalten. Im Wasser ist dies nur wenige Minuten möglich!

Zuletzt aktualisiert am Montag, 15. Februar 2010 um 21:37 Uhr
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Blaues Wunder als Saisonabschluss Drucken
Geschrieben von: Jörg Haußer   

Der 35. Dresdner Elbepokal am 31.10.2009 war wieder für viele Mannschaften aus der Mitte und dem Norden von Deutschland - wenige aus dem Süden – die letzte Regatta des Jahres. Der Start der 10-km-Strecke ist dabei in Heidenau. Die große Mehrheit geht aber über die 5-km-Strecke mit Start etwas unterhalb von Schloss Pillnitz.

Zum Ende der Strecke erlebt jede Mannschaft das Blaue Wunder, und das nicht unerwartet, denn das Ziel ist direkt vor der Loschwitzer Brücke, die alle Welt nur als "Blaues Wunder" kennt – wegen ihres blauen Anstriches.


Das Blaue Wunder auf der Briefmarke zu 100 Pfennig aus dem Jahr 2000 sieht hier besonders blau aus

Was davor geschah: Das Casting im resolut-Achter für den Start in Dresden klappte trotz 7. Regattastart des Jahres für das erweiterte Team zunächst noch als Punktlandung: genau 8 der nicht mehr ganz jungen Alten wollten die letzte Regatta des Jahres sozusagen noch mitnehmen, man war ja recht siegverwöhnt nach Siegen in Passau, am Wörthersee und in Würzburg, am Starnberger See gab's zwar "nur" einen zweiten Platz und den Titel "schnellstes Vereinsboot", dafür aber den Alpenpokal der Gesamtwertung von Passau, Wörthersee und Starnberger See.

Am Abend vor der Abfahrt nach Dresden kam aber dann doch noch Hektik auf, denn einer gab noch schnell telefonisch beim Schlagmann den gelben Zettel ab: Mike Dauser. Das Casting war also wieder eröffnet. Jeder, der zur Türe im Club reinkam, wurde gefragt. Die erhoffte Antwort "Ja, ich will" blieb allerdings aus. Schlagmann Gérard Journeault klingelte sich beim Telefoncasting bis Berlin zu seinem alten Verein Wiking in Berlin durch.

Zum Schluss gab's wieder eine Punktladung: mit dem Versprechen von Martin Grimmeiß, die eigene Arbeitskraft einzubringen, konnte Jules ("Schulz") Dake vom Regal aufbauen daheim freigekauft werden. Mit Jahrgang 1982 war Jules außerdem in seinem ersten AH-Jahr, also gerade erst startberechtigt. An den Start gingen schließlich unter der Aufsicht von Steuerfrau Katharina Mandel Gérard Journeault, Andreas Borgolte, Uli Steinacker, Theo Eckhardt, Michael Leibinger, Jules Dake, Martin Grimmeiß und Jörg Haußer.


Unser Gastverein: USV der TU Dresden in Dresden-Blasewitz

Das meistgebrauchte Wort im resolut-Achter ist dank fortgeschrittenem Alter "was?" - keiner schaltet sein Hörgerät ein. Kein Wunder, dass "Steffi", das mobile Navigationssystem, uns im Raum Nürnberg "Richtung Allgäu" schicken will. Jetzt lügt sie wieder, die blöde Maschine. Doch beim dritten Zuhören entpuppt sich das "Allgäu" als "A 9". In Dresden wollten wir an der Schokoladenseite am Elbufer entlang fahren, "Steffi" nicht, was sie gleich mit den trotzigen Worten "Neuberechnung im Gang" kommentierte.

Die Frühschicht war am Freitag bereits nach 8 Uhr mit Hänger und Zugfahrzeug im Club in Richtung Dresden losgefahren, die Spätschicht erst dann, als die Frühschicht bereits am Ruderclub der TU Dresden angekommen war. Früh- und Spätschicht trafen erst spät im Hotel in der Nähe vom Flughafen Dresden wieder zusammen. Der Dresdner Flughafen war zwar nicht sehr stark frequentiert, doch wenn mal ein Flugzeug kam, flog es bei offenem Fenster gefühlsmäßig genau durch unser Zimmer.

Die Masters Achter starteten am Samstag Vormittag gleich im ersten Rennen, ausgeschrieben sind nur die Klassen B und D. Wir hatten Masters D bei der Meldung knapp verpasst, wir waren ein viertel Jahr zu jung, aber Jules machte uns jetzt noch 2 Jahre jünger. Bei strahlend blauem Himmel ging's bei einem eisigen Gegenwind 5 km hoch zum Start, immer gefolgt vom Raddampfer "Dresden". Der Achter mit Steuerfrau Katharina Mandel durfte nicht zu nah ans Elbufer geraten, weil dort der Wasserstand extrem niedrig war.

 
Danke für das Bild an Wolfgang Knörgens Fotograf

Der Vorstarter oberhalb des Starts ließ die Achter ewig warten, er hatte vom Start keine Anweisung bekommen, die Boote wenden zu lassen, die "Dresden" war längst vorbeigedampft. Dann endlich die Wende, der Gegenwind wurde zum Schiebewind, Kommando "Jacken ausziehen", die Luft wurde gefühlt wärmer. Wir rechneten mit einem fliegenden Start, doch fast auf Höhe des Starts hielt uns der Startrichter an, nur um uns dann gleich wieder ohne Vorwarnung zu starten.

Direkt nach uns startete Stephan Störmers Hamburger Telefonachter, der im Rennen deutlich näher kam, und dessen Berliner Steuermann kein sprachliches Mittel, besonders im Hinblick auf den Ulmer Achter, ausließ, seine Mannschaft anzutreiben. Der Zweck heiligt wohl auch da die Mittel – politisch korrekte Steuerleute bekommen keinen Schönheitspreis.

In der Masters Männer B Klasse (Mindestdurchschnittsalter 36 Jahre) reichte es für den resolut-Achter nur für den 6. Platz bei 7 Startern. Wir erlebten sozusagen am Blauen Wunder unseres. Mit der alten Stammmannschaft und damit einem Start in der D Klasse (Mindestdurchschnittsalter 50 Jahre) hätten wir mit größter Wahrscheinlichkeit dort die beste Zeit herausgeholt. Stephans Telefonachter hatte ordentliche Kaliber an Bord und verpasste den Sieg nur um 6 zehntel Sekunden. Abends haben wir sie wieder getroffen in der Kneipe "Planwirtschaft" in der Dresdner Neustadt.

Nach dem Rennen wurde der resolut-Achter gleich wieder abgeriggert und aufgeladen. Was wir nicht wussten, dass der Vater von unserem deutschen Hochschulmeister Tobias Knörgen, Wolfgang Knörgen mit seinem Verein aus Halle ebenfalls am Start war. Er hätte altersmäßig genau in unser Boot gepasst.

Nach Wiederaufbereitung in der Dusche, einigen Heringsbrötchen und einem Wernesgrüner oder Radeberger begann der Kulturteil mit unserer Stadtführerin Conny Leibinger. Mit der Straßenbahn ging's direkt vom Ruderclub der TU am Blauen Wunder vorbei in die Stadt zum Albertplatz in der Neustadt, den die "Steffi" sonst immer auf der zweiten Silbe betonte. Die Straßenbahn heizte dabei ganz ordentlich um die Kurven, so dass sich einander unbekannte Fahrgäste halb in den Armen lagen.


Der Canalettoblick 1750


Der Canalettoblick 2009

Vom Albertplatz spurteten wir über die Königstraße zur Elbe, von dort die Yenidze, die alte Zigarettenfabrik in der Moschee im Blick, weiter zum Canalettoblick, wo der Maler den Blick auf Hof- und Frauenkirche praktisch fotografisch genau abgemalt hatte, dann über die Augustusbrücke zu Zwinger und Semperoper, Hofkirche und Fürstenzug zur Frauenkirche. Am Fürstenzug werden alle Sachsen-Chefs seit 1127 abgebildet, teilweise mit skurrilen Namen wie "Friedrich der Gebissene". Der Fürstenzug setzt sich aus vielen Keramiktafeln zusammen und hatte den Feuersturm von 1945 praktisch unzerstört überstanden.


Bei der Brühlschen Terasse am Elbufer der Dresdner Altstadt

Am Sonntag bot der Festgottesdienst zum vierten Kirchweihfest seit der Wiedereröffnung die einzige Gelegenheit zum Besuch der Frauenkirche. Mit Orgel, Chor und Solisten erwartete uns das volle Programm inklusive Taufen. Bemerkenswert war dabei: der Organist Samuel Kummer ist Schwabe, Jahrgang 1968 und war davor in Kirchheim/Teck - von dort an die Frauenkirche: eine tolle Karriere. Die Frauenkirche mit ihrer runden Form erinnert einen dabei sehr an ein Opernhaus mit seinen Logen. Als wir auf der mittleren Empore, sozusagen der Königsloge, Platz genommen hatten, näherte sich unten der ersten Reihe der frühere "König Kurt" (der ehemalige Ministerpräsident Kurt Biedenkopf mit seiner Frau). Für unseren Michi gab's kein Halten mehr, er ging nach unten in die Reihe 3, um sich das ganze aus der Nähe anzuschauen.


Suchbild: Teile der Mannschaft stehen beim Luther-Denkmal

Gleich danach ging's heim auf der Autobahn, ein ewig langer Baustellenstau auf der A72 stellte unsere Geduld auf eine harte Probe. Bei der Umfahrung hatte "Steffi" wie immer ihren eigenen Kopf.

Das war die Saison 2009 für den resolut-Achter, und mit dem Gewinn des Alpenpokals eine sehr erfolgreiche. Als Regattaziel – Langstreckenregatta mit touristischem Hintergrund – war Dresden sicher der kulturelle Höhepunkt der Saison mit Blauem Wunder und einer wieder auferstandenen Altstadt.

Die Saison 2009 ist zu Ende, die Saison 2010 hat begonnen.


Foto: USV TU Dresden Sektion Rudern

Zuletzt aktualisiert am Sonntag, 08. November 2009 um 09:29 Uhr
 
We are against you – Bocksbeutelregatta auf dem Main in Würzburg Drucken
Geschrieben von: Jörg Haußer   

Oktober, Herbst – die Früchte der Saison werden eingefahren. Zeit für die 4,5-km-Langstreckenregatta auf dem Main in Würzburg. Start ist bei der Schleuse Randersacker, vorbei an den herbstlich eingefärbten Weinbergen, das Ziel ist kurz vor der Stadtschleuse in Würzburg, wo auch die Bootshäuser am kleinen Main liegen.

Nach vielen Jahren über Kurz- und Normalstrecke fand der Würzburger Regattaverein vor 19 Jahren die Langstrecke als für Würzburg ideale Regattaform, weil der Main zur Eröffnung des Main-Donau-Kanals verbreitert worden war und mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen zu rechnen war.

Namensgeber war die ortstypische Verpackungsform für den Weißwein aus Mainfranken, der Bocksbeutel. Kein Wunder, dass zur Siegerehrung am Schluss auf dem Tisch mit den Pokalen auch eine Batterie Bocksbeutel steht. Jeder erwachsene Sieger erhält neben einem Blechle auch einen Bocksbeutel zur Erinnerung mit nach Hause. Dabei kann es vorkommen, dass gar nicht mehr alle Bocksbeutel intakt dort ankommen, sondern zuvor schon ihrer Bestimmung zugeführt werden, oder - wie vor ein paar Jahren geschehen - auf dem Heimweg in Ulm mit dem Fahrrad durch einen Transportschaden kurzfristig verloren gehen.


Start bei der Mainschleuse Randersacker           Foto: Würzburger Regattaverein

Für die Beliebtheit der Würzburger Bocksbeutel-Regatta sprechen bei der 20. Ausgabe am 17.10.2009 die 219 Meldungen. Dazu trägt die Reiselust der Masters-Teams besonders bei d.h. man startet auf einer Langstrecke möglichst mit touristischem Hintergrund und nimmt dazu auch mal einen größeren Anfahrtsweg in Kauf. Kein Wunder, dass Schlagmann Gérard Journeault in Würzburg gleich mehrfach namentlich begrüßt wird, denn auch sein alter Verein RV Wiking Berlin ist mitsamt Vorsitzendem ebenfalls am Start.

Internationale Atmosphäre – so wird in Reiseprospekten Remmidemmi im Hotel bis in die Nacht getarnt – kam 2009 auf durch Teilnehmer aus Groningen in den Niederlanden und vom Athlone Boat Club aus Irland mit dem Shannon als Heimatruderrevier, genau in der Mitte der grünen Insel gelegen.

Die Iren waren am Start im Masters Männer D Rennen und damit die direkten Gegner des Ulmer resolut-Achters. Sie fielen gleich auf, weil sie trotz nasskaltem Herbstwetter ohne lange Hosen ruderten, im Gegensatz zu allen anderen (deutschen) Weicheiern.

Vor dem Rennen trafen Iren und Ulmer zufällig im Bootshaus zusammen. Neben Fragen zur Lage von Athlone und dem Heimatfluss bekamen die Iren gleich mitgeteilt: "We are against you!" Motto: Wer nicht für mich ist, ist gegen mich – oder vermutlich eher wörtlich übersetzt. Ja, wie übersetzt man "Gegner"? Gut, dass da nicht "enemies" oder schlimmeres kam. Die Iren erzählten, dass sie sonst im Herbst zur Regatta an die Mosel nach Bernkastel fahren. Zufällig auch eine traditionelle Weingegend.

Die Fahrt von Ulm nach Würzburg mit dem Bootshänger in strömendem Dauerregen ließ zunächst nichts Gutes ahnen, zumindest was das Wetter anbetraf. Doch bei der Ankunft kam gleich die Sonne raus. Der Dauerregen hatte allerdings die Wege um die Würzburger Bootshäuser in Schlammwege verwandelt. Alle Ruderer waren gezeichnet, sowohl die Ruder-, als auch die Zivilkleidung – da gab es kein Entrinnen.

Bevor 's zum Start ging, setzte auch pünktlich der Regen wieder ein. Da heißt es, positiv zu denken (es könnte ja auch Schnee sein). Und es hat auch geholfen, ab unserem Start blieb es trocken für den Rest des Tages. Los ging' s mit Schlagzahl 30 aber schnell waren wir bei 32 und im Endspurt bei 35. Für uns Ruderer war keine direkte Vergleichsmannschaft in der Nähe, so dass wir einfach gegen die Uhr gefahren sind.


Kurz vor dem Ziel. Im Hintergrund die Würzburger Festung Marienberg hoch über dem Main
Foto: Würzburger Regattaverein

Während des Abriggerns und Aufladens kamen dann die Ergebnisse: 4. Sieg der Saison in unserem Rennen, wobei die bei manchen gefühlten Ansprüche hoch waren, nachdem wir am Wörthersee das schnellste Boot überhaupt waren. Die schnellste Zeit erreichten in 13:41 eine Berliner Renngemeinschaft mit Wikinganteilen im Masters Männer A Achter. Gesamtzweite waren in 13:46 Minuten Gérards Berliner Freunde von Wiking und RV Berlin in 13:46 Minuten im aktiven Männer Achter und Gesamtdritte eine Renngemeinschaft  Mannheim-Rheinau/Bingen im Masters Männer C Achter in 14:06 Minuten. Das bedeutete also immerhin noch mit 14:22 Minuten die viertschnellste Zeit für den resolut-Achter im Masters Männer D Achter.

Bei der Siegerehrung war dieses Jahr alles anders: abgesehen vom Schlamm war die Siegerehrung diesmal auf Hochdeutsch. Vermisst wurden die "Siecher" aus den Vorjahren ebenso wie die Bürgermeisterin ("die liebe Marion") als Vertreterin des OB. Ebenso fehlten sportliche Einlagen von Ulmer Seite im Ehrungsbereich, obwohl der Schlamm dabei eine interessante Zusatznote verliehen hätte.

Vor und nach der Siegerehrung ging' s aber kurz ins Wohnzimmer unseres Würzburger Ulmers Florian Schercher, die Olympia-Bar in seinem Heimatverein Würzburger RV Bayern. Mit Unterstützung seiner Schwester hat er gezeigt, wie gute Gastfreundschaft geht, wenn schon einmal Ruderer seiner Vätergeneration  aus seiner zweiten ersten Heimat Ulm da sind, und die dann auch noch gewinnen. Schade, dass unsere Alten nicht dabei waren, geteilte Freude wäre doppelte Freude gewesen.

Und so stand' s im Ergebnis:
Rennen 23d Masters-Männer Achter m. St. D
1. 14:22 153 Ulmer Ruder-Club 'Donau' e.V.
Martin Grimmeiß (1953), Mike Dauser (1961), Jörg Haußer (1956), Michael Leibinger (1954), Hans-Theodor Eckhardt (1956), Ulrich Steinacker (1956), Gérard Journeault (1971), Arnd Furken (1961), Stf. Katharina Mandel (1987)
2. 14:37 151 RGM Akademischer Ruderclub Würzburg e.V./ Lübecker Ruder-Klub e.V./ Rudergesellschaft Marktheidenfeld e.V./Würzburger Ruderverein Bayern von 1875/1905 e.V./ Ruder-Club Zellingen e.V.
2. 14:37 154 Donau-Ruder-Club Ingolstadt e.V.
4. 15:30 152 Athlone BC (Irland)
In der Gesamtpunktewertung reichte das mit einem Sieg im Achter auf Platz 7.


Der Namensgeber der Bocksbeutelregatta. Bedeutet "Enthält Sulfite" Kopfweh vorprogrammiert?

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 03. November 2009 um 23:08 Uhr
 
Der Alpen-Achter-Pokal. Ein alpenländisches Epos in 3 Akten Drucken
Geschrieben von: Martin Grimmeiß   


Am Ziel: der Alpen-Achter-Pokal geht 2009 an den URCD

1. Akt: 2007 Passau / Starnberg / Klagenfurt

Wir Ulmer Masters-C-Männer (Durchschnittsalter zwischen 40 und 50), die im Achter wegen ihrer eher unkonventionellen Fahrweise für gespanntes Interesse bei anderen Nutzern der Donau sorgten, waren wieder auf der Suche nach einer reizvollen Regatta.

Die 5,5 km Regatta, das Inn-River-Race in Passau sprang uns ins Auge. Auf Anhieb schafften wir in der offenen Klasse den zweiten Platz und hörten zum ersten Mal vom Alpen-Achter-Pokal (nicht Alten-Achter-Pokal!), eine Kombinationswertung des „Inn-River-Race“, dem „Blauen Band vom Wörthersee“ und der „Roseninsel-Regatta“ in Starnberg. Dabei erfolgt die Pokal-Wertung aus der Summe der Rennzeiten dieser 3 Regatten, unabhängig vom Alter der Teilnehmer. Nachdem es im Jahr 2007 bei uns ganz gut lief, fuhren wir noch die 12 km Roseninsel-Regatta in Starnberg und gewannen in unserer Altersgruppe. Einer geht noch – also auf nach Klagenfurt zur 17 km Regatta „Blaues Band vom Wörthersee“. Auch hier waren die Zeiten gut, mit dem Ergebnis, dass unser Schlagmann Gérard den begehrten Alpenachter-Pokal überreicht bekam. Dann fiel unser Boot vom Bock - zeitgleich zerplatzte unser Triumph, nachdem sich unser Gesamtsieg als bloßer Rechenfehler des Veranstalters herausstellte.

2. Akt: 2008 Passau / Starnberg / Klagenfurt

Ehrensache, dass diese Trilogie wieder auf unserem Programm stand – immerhin hatten wir den Pokal schon für 2 Sekunden in den Händen gehalten. Also wieder, wie gehabt Passau. In der offenen Klasse gestartet, den zweiten Platz gemacht. Danach auf die 12 km in Starnberg, gewürzt mit der Aussicht auf ein clubinternes Rennen gegen unseren Ulmer Jugendachter. Leider wurde das Rennen abgesagt, da wegen hoher Wellen viele Boote einfach von der Seeoberfläche verschwanden. Also Wörthersee. Wieder in der offenen Klasse gestartet,  nach 17 km Quälerei leider den dritten Platz gemacht. Als Statisten konnten wir  bloß zuschauen, wie der Münchner Ruder-Club 1880 die begehrte Trophäe überreicht bekam.

3. Akt: 2009 Passau / Klagenfurt/ Starnberg

Wir waren heiß - bei uns war jedem klar, dieses Jahr muss es klappen. Passau “Inn-River-Race“ 5,5 km- in unserer Klasse gewonnen. Wörthersee, 17 km das „Blaue Band“, als der schnellste Achter insgesamt gewonnen.  Ein Polster von rund 40 Sekunden auf die Verfolger. Aber, was sind schon 40 Sekunden auf ein Rennen von ca. 45 Minuten?

In Starnberg wird es entscheiden. Die letzten Tage vor dem Rennen stieg die Nervosität. Erstmals gingen wir in ein Rennen, bei dem wir den Gesamtsieg in den Händen haben können – oder alles verschenken.
Samstag morgen in Starnberg. Wir, Andreas Borgolte, Martin Grimmeiß, Mike Dauser, Arnd Furken, Uli Steinacker, Michael Leibinger, Werner Strassner, Gérard Journeault und Anja Oderwald betrachten das beachtlich wellige Wasser mit gemischten Gefühlen. Einerseits sind wir mit unserem Boot wegen der Flügelausleger und den abgeschotteten Luftkästen bei solchen Wellen offenen Booten gegenüber im Vorteil. Aber Wellen machen das Ganze auch nicht gerade vergnügungssteuerpflichtig.

Wir starten in der dritten Abteilung - unsere nächsten Gegner um den Alpen-Achter-Pokal in der ersten und zweiten Abteilung. Wir kennen also genau die Zeit, die wir fahren müssen. Auch nicht gerade entspannend.

Dann aufs Wasser, die Wellen haben etwas nachgelassen, sind immer noch sehr unangenehm. Ein kurzes Einfahren, dann tasten wir uns an die Startlinie. Neben uns 18 Achter - teils Gigboote. Ja nicht die Startlinie überfahren - das kostet 1 Minute. Die Zeit wird heruntergezählt. Noch einmal die Dollenschrauben überprüfen, dann in ¾ Auslage, den Rücken durchdrücken, Druck aufs Blatt, die Muskeln angespannt, Augen auf den Nacken des Vordermanns. Im Kopf die Vorgabe, dass wir auf alle Fälle unter 46 Minuten sein müssen. Mitzählen, dann der erlösende Kanonenschuss.


Was zu diesem Zeitpunkt noch keiner sicher weiß: Bald hält der Schlagmann den Alpen-Achter-Pokal in den Händen

Wir ziehen voll durch, kommen gut weg, hebeln sauber über die Wellen ab, dann nach ca. 10 Schlägen ein fast panisches Geschrei unserer Steuerfrau. Das Gigboot auf Steuerbord steuert voll in unsere Bootsseite, einige Schläge treffen unser Boot, dann verhaken sich deren Riemen mit unseren Auslegern - die Fahrt kommt zum Stillstand. Um das Gewirr zu lösen, müssen wir die Riemen einziehen und uns dann damit von dem Gigboot abstoßen. Die Uhr läuft. Weiter, wieder los.

Wir nehmen wieder Fahrt auf. Nach 4, 5 Schlägen die entsetzten Schreie unser Steuerfrau „backbord, backbord“. Was das bedeutet, ist dann klar, als uns ein Gigboot auf der Backbordseite so vor den Bug fährt, dass wir es rammen. Ein Schlag, dann ein ekelhaftes Knirschen von unserem Bug - eindeutig, unser Boot ist im Eimer.

Egal, jetzt kann man ohnehin nichts mehr machen - weiter und hoffen, dass das Boot erst spät oder gar nicht voll läuft. Die Uhr tickt. In diesem Gewühl verhakt sich noch ein drittes Boot mit unseren Riemen – wir ziehen voll durch und setzen uns von dem Chaos ab.

Mit einem 34 Schlag ziehen wir davon, danach geht es auf den Streckenschlag von 32. Nach 2 km die erste GPS-gestützte Zeitansage von unserer Steuerfrau. Eine kurze Hochrechnung - wir schaffen es nicht!! Haben vorher zu viel Zeit verloren. Hoffentlich hält das Boot. Hoffentlich ist es bald vorüber.


Foto: MRSV Bayern

Aufrichten, groß machen, die Lungen mit Luft füllen, konzentrieren, sauberes Abscheren, das Vorrollen bremsen, dann die Beine, immer wieder die Beine. Der 32-iger Schlag macht sich bemerkbar. Dann sind nur noch zwei Boote vor uns. Wir tasten uns ran, kommen näher. Anja feuert uns an. Sind auf gleicher Höhe - wieso haben wir die immer noch nicht überholt? Weiter. Konzentration - hoffentlich ist es bald vorüber. Erst vier Kilometer, es kommt vor wie schon 20. Weiter, es fällt immer schwerer sich zu konzentrieren - die Beine, verdammt, die Beine, immer wieder. An dem Boot sind wir vorbei. Hat ewig gedauert.

Nach 6 Kilometern die Wende vor der Roseninsel um 2 Bojen. Anja hatte Angst davor. Sie macht es prima. Unser extra großes Steuer zahlt sich jetzt aus. Backbord nimmt den Druck raus, Steuerbord zieht voll, wir schmieren um die 2. Boje. Dann auf Gegenkurs. Nur noch ein Boot, 3 – 4 Längen vor uns. Die Beine, die Beine - sauber abscheren, ruhig rollen - alle Ansagen kommen nur noch wie durch Watte. Hoffentlich ist es bald vorbei.

Die Konzentration wird immer schwieriger. Die Wellen wieder höher, hauptsächlich von Motorbooten. Die Rudergriffe sind klatschnass und schlecht zu halten. Die Beine, immer wieder die Beine. Warum ist das Ziel noch nicht da? Immer noch der 32-iger Schlag. Eine Parallelwelle bringt uns total aus dem Takt, dann  wieder anziehen, das Boot anschieben, konzentriert atmen. Die Kilometeransage – noch 2 Kilometer. Gérard geht mit dem Schlag höher. Irgendwann sind wir auf 34.  Das Boot vor uns erreichen wir nicht mehr. Der Bug überquert die Ziellinie - keine Hupe ist zu hören - sicherheitshalber weiter, bis auch das Heck drüber ist.
Dann alles fallen lassen - das Dunkel vor den Augen lichtet sich, das Husten lässt auch nach und das DLRG Boot, das zufällig oder absichtlich neben uns lag, verzieht sich wieder. Die Zeit? Wir messen ca. 45 Minuten - das müsste reichen. Sicher sind wir nicht.


Der Wanderpokal für den schnellsten Vereinsachter

Die Siegerehrung - sie zieht sich. Überraschend bekommen wir den Pokal für den schnellsten Vereinsachter in Starnberg überreicht, verbunden mit dem Hinweis, wir sehen uns nachher ja noch einmal. Der letzte Pokal, der vergeben wird, ist der Alpen-Achter-Pokal und der geht an den Ulmer Ruder-Club Donau. Um uns richtig zu freuen, sind wir einfach zu platt.

So steht er jetzt 1 Jahr im Club - unser 10 kg Alpengesteins Pokal. Das Schadensbild an unserem Boot: Bugspitze abgeknickt, im Rumpf zwei Löcher, alles Gott sei Dank über der Wasserlinie.

Nächstes Jahr geht es wieder los, wir bringen ihn nach Passau. Keiner hat es bislang ausgesprochen - aber ich bin sicher. Wir werden ihn verteidigen.

Passau 2009

Blaues Band vom Wörthersee 2009

Zuletzt aktualisiert am Montag, 05. Oktober 2009 um 22:47 Uhr
 
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