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Head Races – die Langstreckenrennen

Schon der Name zeigt, woher die Langstreckenrennen in Frühjahr und Herbst kommen, aus England. Mutter aller Head Races ist das "Head of the River Race" von 1926. Für jeden in England ist klar, welcher River das ist, nach dem Motto – "Es kann nur einen geben" – die Themse in London. Gestartet wird mit fliegendem Start an der Chiswick Bridge im Westen von London mit ca. 10 Sekunden Abstand zwischen jedem Achter.

Großmutter ist das "Boat Race" von 1829. Jeder in England weiß auch, welche Boote und welche Mannschaften auf welchem Fluss hier um die Wette fahren: die beiden Achter der Universitäten Oxford und Cambridge, seit 1845 auf der gleichen Strecke auf der Themse wie beim "Head" – einziger Unterschied: beim "Head" wird mit der Strömung flussabwärts von Mortlake nach Putney gerudert, beim "Boat Race" dagegen flussaufwärts, aber auch mit der Strömung – auf dem "Championship Course" über 6,8 km. Möglich machen's Ebbe und Flut d.h. die Themse in London ist ein Gezeitenstrom, der sogenannte "Tideway".


Die Putney Bridge - Ziel beim Head und Start beim Boat Race

Beide Rennen finden vor Ostern statt, das Boat Race meistens am Palmsamstag oder Palmsonntag, das Head mit 420 Achtern am Samstag eine Woche davor. Es kann aber auch vorkommen, dass beide Rennen am selben Tag gestartet werden, in aller Herrgottsfrühe das "Head" bei Ebbe und nachmittags zur besten Fernsehzeit bei Flut das "Boat Race". Maßgebend ist der Gezeitenplan für die Flut am Palmsamstag bzw. Sonntag d.h. die Flut muss genau ins Nachmittagsprogramm des Fernsehens passen, 2010 ist es am 3. April um 17:30 Uhr MESZ und wird auf Eurosport übertragen.

Das Head hat zahlreiche Nachahmer gefunden: seit 1933 gibt es das "Head of the River Amstel" in Amsterdam über 8 km, seit 1965 das "Head oft the Charles" über 5,1 km in Boston in den USA, in Deutschland gibt es seit über 30 Jahren in Passau das "Inn River Race" über 5,5 km.


Die Hammersmith Bridge - beim Head ist jetzt mehr als die Hälfte geschafft, jetzt kommt nur noch Harrods Warehouse, das Fußballstadion von Fulham und dann gleich der Endspurt.

Um 420 Achter so zum Start zu manövrieren, dass sie nachher in der richtigen Reihenfolge die Startlinie in Richtung Ziel überfahren, bedarf es umfangreicher und ausgeklügelter Logistik. Alle Achter werden in Startsektionen zu 50 Booten eingeteilt, die erste ist etwas größer. Wenn eine Sektion langsam im Uferbereich auf der Surrey Seite der Themse zum Start rudert, wird sie von Boot 50 angeführt, letztes ist das Boot 1. Ist die Sektion deutlich oberhalb der Startlinie angekommen, wird ein Böllerschuss abgefeuert als Zeichen, dass alle Boote dieser Sektion zur Flussmitte hin wenden sollen. Jetzt liegt Boot 1 an der Spitze. Kurz vor der Chiswick Bridge nimmt Boot 1 volle Fahrt auf und wird direkt an der Brücke aufgerufen: "Number 1 – row!" Beim Kommando "row!" wird die Startzeit genommen.

Während diese Sektion von der Surrey Seite aus startet, rudert die nächste Sektion im Uferbereich der gegenüber liegenden Middlesex Seite wie gerade eben beschrieben, bis die ganze Sektion deutlich oberhalb der Startlinie ist. So geht das dann bis zum Schluss: die eine Sektion wendet, die andere rudert, bis sie oberhalb des Starts ist.

In London waren schon oft Ulmer am Start, teilweise mit mehr als zwei Achtern. Zuletzt 2004 bei einem historischen Head, das erste, das in Friedenszeiten nicht stattfand, abgesagt anderthalb Stunden vor dem Rennen wegen zu stürmischem Wellengang, schade, wenn man einen so weiten Weg bis zum Rennen zurückgelegt hat.

2010 ist es jedoch wieder soweit, am Samstag, den 27. März um 14:15 Uhr MEZ. Obwohl die Regattaleitung versucht hatte, die Mannschaft des resolut-Achters zur Masters-Regatta am Tag nach dem Head weg zu mobben, gab es am Ende doch noch einen Startplatz für das richtige Head: Platz 221 von 400 Startplätzen, 20 weniger wie in den Vorjahren "wegen Bauarbeiten". Für den Schreiber dieser Zeilen wird es das 9. Head sein, das erste war 1979.


Auszug aus der Startliste 2010

Wie entstand das Head? Scheinbar war Langstreckenrudern in England 1926 nicht sehr beliebt. Denn Steve Fairburn, der das Head 1926 ins Leben gerufen hat, gab als Grund dafür an: " "My dear boy, you are under a wrong impression. It is not a race, it is merely a means of getting crews to do long rows".

In der Zwischenzeit gibt es Langstreckenrennen, die um ein vielfaches länger sind als alle Head Races wie z.B. der Boston Marathon in England über 49,5 km oder die Tour de Lac, 160 km rund um den Genfer See, die Olaf Behrend vom URCD mit einem Team aus Karlsruhe in den letzten drei Jahren in Folge gewonnen hat. Da würde Steve Fairburn sicher nicht meckern.

Info
The Boat Race
The Head of the River Race
Video für Steuerleute beim Head of the River
Head of the Charles

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