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World-Cup 2009 Luzern - Eine lange Durststrecke geht zu Ende

von Ute Gallbronner/Hansjörg Käufer

Ruder-Weltcup: Käufer siegt in Luzern im Achter - Kerstin Hartmann bärenstark im Zweier


Jetzt dürfen sie sogar von einer WM-Medaille träumen: Kerstin Hartmann (hinten) mit ihrer Partnerin Marlene Sinnig. Foto: Carsten Oberhagemann

29 Jahre hat es gedauert. Jetzt hat der Ulmer Ruderclub Donau wieder einen Rotsee-Sieger - und beinahe wären es sogar zwei geworden.

Daheim bejubelten 10 000 Zuschauer die Stürze falscher Italienerinnen in die Donau. In Luzern erfreute sich die kleine Delegation des Ruderclubs URCD am Flug von Martin Sauer in den Rotsee. Dem traditionellen Bad des Steuermanns war ein überragender Sieg des Deutschland-Achters vorangegangen, in dessen Bug Urs Käufer saß.

Am Ufer zitterten Landesverbands-Präsidentin Johanna Kienzerle, Claudia Barth und Raimund Hörmann mit. Wenngleich zittern mussten sie nicht so sehr, denn der Achter ließ dem souveränen Vorlaufauftritt auch im Finale einen Start-Ziel-Sieg folgen, lag am Ende fast eine Länge vor Kanada. "Wir wollten eure Nerven schonen", scherzte Käufer zur Fan-Gemeinde. Immer hatte man den Eindruck, die Männer hätten was draufpacken können, wenn es nötig gewesen wäre.

Raimund Hörmann und der verstorbene Dieter Wiedenmann waren es gewesen, die 1980 im Doppel-Vierer für den letzten Ulmer Sieg am Rotsee gesorgt hatten. Beinahe wäre es auch an diesem Wochenende eine doppelte Erfolgsgeschichte geworden, denn Kerstin Hartmann musste mit ihrer Zweier-Partnerin Marlene Sinnig nur die in dieser Saison bislang überlegenen Neuseeländerinnen Feathery/Scown ziehen lassen.
 
Sowohl die USA, mit zwei Booten aus dem Olympiaachter angetreten, als auch die Chinesinnen konnten sie mit einem energischen Auftritt in der zweiten Hälfte des Rennens in Schach halten. Im Schlussspurt rangen sie dann auch noch die Britinnen klar nieder.
 
"Wir haben auf Platz drei gehofft. Dass es so gut läuft, damit hätten wir nicht gerechnet", sagte Kerstin Hartmann, die nach der Zieldurchfahrt die Fäuste ballte und ihre Freude in die Schweizer Luft hinausschrie: "Ich kann es kaum glauben. Wir haben uns vorgenommen, auf der Strecke alles zu geben. Das ist super gelungen, und am Schluss konnten wir sogar noch zulegen."
 
Da war sogar Chef-Trainer Hartmut Buschbacher voll des Lobes: "Das Finale hat gezeigt, welches Potenzial in ihnen steckt. Das war schon sehr gut." Das endgültige Ja-Wort für den WM-Start im Zweier konnte sich Buschbacher aber noch nicht abringen. Was weniger an der Leistung der beiden jungen Damen lag, als vielmehr am mittelmäßigen Auftritt des Achters(4.).
 
Trotzdem gehen alle Beteiligten davon aus, dass Sinnig/Hartmann im August in Posen den Zweier besteigen. Noch gestern Abend machten sie sich auf den Weg an den Weißensee. Dort in Kärnten, kurz vor der italienischen Grenze, wo im Winter die holländischen Eisschnellläufer ihr Revier haben, beziehen die deutschen Damen ihr Trainingslager. Boots-Trainer Werner Nowak kündigte nur eine kleine Feier an am Abend in Innsbruck, wo Zwischenstation gemacht wird: "Dann wird wieder hart gearbeitet, schließlich ist für die Mädchen jetzt eine WM-Medaille drin."
 
Üben muss auch noch Urs Käufer: Beim Abwurf von Martin Sauer wäre er beinahe hinterher geflogen. Dann hätte die URCD-Delegation noch mehr Spaß gehabt.

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