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Viola Pfersich und Anne Köhler trainieren beim URCD die jugendlichen Anfänger - Große Verantwortung

von Ute Gallbronner

Im Abitur-Jahr steht für viele Jugendliche der Rest des Lebens still. Viola Pfersich und Anne Köhler sehen das anders. Die beiden 19-Jährigen bilden beim Ulmer Ruderclub Donau (URCD) den Nachwuchs aus.


Viola Pfersich (links) und Anne Köhler mit einem Teil ihrer Trainingsgruppe. Foto: Matthias Kessler

Montag, Mittwoch, Samstag - drei Tage die Woche treffen sich Anne Köhler und Viola Pfersich im Bootshaus des URCD. So wie sie es schon viele Jahre tun.

"Der Zusammenhalt hier ist klasse. Wir rudern ja nicht nur, sondern das ist mehr, da helfen die Älteren den Jüngeren, auch wenn es in der Schule Probleme gibt", versucht Viola Pfersich in Worte zu fassen, was sie begeistert an ihrem Verein. Und zwar so sehr, dass sie nach dem Ende der Karriere nicht aufgehört hat. Sie ist dabei, mehr denn je.

Seit eineinhalb Jahren führt die 19-Jährige die Anfänger ins Rudern ein. In dieser Saison hat sie Unterstützung von Anne Köhler bekommen. Auch sie ist 19, hat am Humboldt-Gymnasium gerade ihr Abi gemacht. "Ich wäre jetzt zu den Senioren gekommen, da hätte ich nicht mehr mithalten können", begründet sie, warum sie aufgehört hat.
 
11 bis 14 Jahre sind die Einsteiger alt, sechs Jungs und zwei Mädchen. "Aber es wird immer schwieriger, jetzt mit dem G8. Alle unter einen Hut zu bringen dreimal die Woche, ist fast unmöglich. Viele nehmen sich auch gar keine Zeit mehr für Hobbys", sagt Viola Pfersich.
 
Georg Lutz und Robert Reinelt hat sie aus der alten Saison behalten, den Rest an Björn Gehrmann übergeben. Die beiden Jungs bereitet das junge Betreuergespann nun auf größere Aufgaben vor. "Ich glaub, ich war aufgeregter als sie selbst", erinnert sich Anne Köhler an die Regatta in Mannheim.
 
Im letzten Jahr saß sie selbst noch im Boot, vom Ufer brüllte Gehrmann. "Ich hab das immer gehört." Nun hofft sie, dass auch ihre Anweisungen vom Ufer für den nötigen Adrenalinschub sorgen. Bei den Anfängern ist das Adrenalin ohnehin zur Genüge vorhanden. Ihr Saison-Höhepunkt wird der Ulmer Ruder-Cup im Juni sein.
 
Die meisten kommen über die Schule zum URCD. Die Anfänge sind nicht leicht, vor allem nicht auf einem fließenden Gewässer wie der Donau. Anfangs geht es in die Gigg-Boote, bis das Gefühl fürs Boot da ist, die Technik beherrscht wird. "Manchmal binden wir sie auch mit Seilen an die Brücke", erzählt Viola Pfersich. Denn die Trainerinnen tragen eine große Verantwortung, das ist ihnen bewusst.
 
Sie sitzen immer im Motorboot, was im Winter mitunter unangenehm werden kann. Vor allem wenn die Donau viel Wasser hat, müssen sie die Lage richtig einschätzen und schnell reagieren. Im März, als sie noch allein war, musste Viola Pfersich einige aus der kalten Donau fischen: "Es gilt immer: erst die Kinder, dann das Boot. Aber zum Glück ist nichts passiert. Manchmal helfen ja auch ein paar Spaziergänger."
 
Das Rausfischen ist das eine, die Motivation das andere. Gerade im Winter wird den Sportlern viel abverlangt. "Da muss man schon Überzeugungsarbeit leisten. Uns ist das ja allen schon passiert, dass wir reingeflogen sind, und es ist trotzdem weitergegangen", meint Anne Köhler. Für sie geht es im Herbst mit einem Praktikum bei der Ulmer Sportwissenschaft weiter, Viola Pfersich will International Business studieren. Das Rudern, da sind sich beide sicher, hat trotzdem Platz: "Es macht einfach Spaß."

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