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Langstrecke 2009 - Überraschung auf dem Kanal

von Ute Gallbronner

Kerstin Hartmann gewinnt Langstrecke

Überraschung beim Langstreckentest in Leipzig: Kerstin Hartmann distanzierte mit Marlene Sinnig die Konkurrenz. Plötzlich ist die Ulmerin bei der Musik.

Es ist eine nacholympische Saison, die im deutschen Ruder-Verband ein heftiges Stühlerücken mit sich gebracht hat. An der Spitze steht nun der neue Cheftrainer Hartmut Buschbacher, der sowohl die Riemen-Ruderer als auch die Skuller im Auge hat. Und er lässt sich nicht in die Karten schauen. Wen er für die Weltcups und Weltmeisterschaften in welche Boote setzen will, darüber schweigt er sich aus.

Also wird geraten. Auf was legt der Neue wohl wert? Auf die reinen Kraftwerte, gemessen beim Kadertest auf dem Ergometer oder mit Hightech in den Messbooten, mit der jedes Zucken genau erfasst wird. Oder zählt doch das vielbeschworene und oft zitierte "Gefühl im Hintern"?

"Erst Ende Mai werden wir bekanntgeben, wer bei der WM in den deutschen Booten sitzt", erteilte Buschbacher jeglichen Spekulationen beim Kadertest eine Absage. Fragt man die beiden Starter vom Ulmer Ruderclub Donau (URCD), die auf dem Elster-Saale-Kanal an den Riemen zogen, fallen die Antworten unterschiedlich aus. Kein Wunder. Max Reinelt glänzte auf dem Trockenen mit phänomenalen Kraftwerten. 5:55 Minuten für die virtuellen zwei Kilometer, das sind Wattwerte von mehr als 500.

Damit reihte er sich unter den Steuerbordern auf Rang drei ein. Für einen U-23-Athleten eine reife Leistung. Übertroffen wurde er dabei allerdings von seinem Backbord-Mann Hannes Heppner (5:49). Eigentlich müssten die beiden unschlagbar sein, doch auf dem Wasser zählen eben noch andere Qualitäten. Auf dem siebten Platz liefen die beiden am Ende der 6000 Meter ein. Was im Feld der deutschen Elite nicht schlecht ist, aber dass gleich zwei andere U-23- Zweier schneller waren, wurmte Reinelt. "Zu brachial" seien sie die Sache angegangen.

Gänzlich anders das Bild bei Kerstin Hartmann. Die 20-Jährige hat sich mit ihrer erfahrenen Krefelder Partnerin Marlene Sinnig glänzend zusammengerauft. In starken 23:19 Minuten gingen die beiden als Überraschungssieger durchs Ziel - mit neun Sekunden Vorsprung auf die etablierten Achter-Damen Nadine Schmutzler/Christina Hennings.

"Ich bin wirklich selbst überrascht", sagte Kerstin Hartmann, die tags zuvor auch auf dem Ergometer überzeugt hatte. Um elf Sekunden verbesserte sie ihre Bestzeit, war aber trotzdem noch nicht an die Sieben-Minuten-Marke herangekommen. Mit dem Erfolg auf der Langstrecke ist für die Ulmerin nun plötzlich nicht nur ein Platz in einem U-23-Boot ein Thema, sondern sie ist bei den Aktiven mittendrin im Geschehen.

Allein Urs Käufer war enttäuscht, weil zum Zuschauen verdammt. Eine Bandscheibenvorwölbung macht ihm zu schaffen, zumindest die nähere sportliche Zukunft ist damit ungewiss.

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